100 Jahre Tietgen-Haustechnik
Fa. Fritz Tietgen seit 1954 auf der Hochseeinsel Helgoland
Der unternehmerische Geist von Fritz Tietgen zeigte sich besonders in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Aufbruchstimmung Anfang der fünfziger Jahre nahm die Firma Tietgen ihre Tätigkeiten auf der Nordseeinsel Helgoland auf.
Die Insel war kurz vor Kriegsende vollkommen evakuiert und die Bevölkerung auf 120 Wohnorte auf dem Festland verteilt worden. Die englische Besatzungsmacht nutzte Helgoland als Bombenziel und versuchte es am 18. April 1947 mit dem so genannten „Big Bang“ vollkommen zu vernichten und den Fluten der Nordsee zu übergeben. Glücklicherweise gelang das nicht. Nach einem zähen politischen Tauziehen wurde Helgoland am 1. März 1952 schließlich feierlich an Deutschland zurückgegeben. Man war entschlossen, die Insel wieder aufzubauen. Die ersten Grundlagen hierfür waren schon ein Jahr zuvor durch einen Architektenwettbewerb geschaffen worden. Den Auftrag für den Wohnungsbau auf Helgoland erhielt unter anderen die damalige Wohnungsbaugesellschaft Schleswig-Holstein GmbH, die nach abschließenden Planungen die ersten Arbeiten ausschrieb.
Die Firma Fritz Tietgen beteiligte sich an einer solchen öffentlichen Ausschreibung für die sanitären Installationsarbeiten beim Bau von Wohnhäusern auf Helgoland. Fritz Tietgen gab hierbei das günstigste Angebot ab und erhielt den Auftrag. „Dann bin ich zum Arbeitsamt gegangen, hab mir 15 gute Fachkräfte geholt, und mit denen sind wir dann nach Helgoland gefahren“, so berichtete Fritz Tietgen oft auf die Frage: Helgoland? Wie das? Es gab weitere Ausschreibungen und es folgten weitere Aufträge. So entstand eine Außenbaustelle, die seit der Zeit ohne Unterbrechung Bestand hat.
 Aus den Anfangsjahren am Nord-Ost-Hafen auf Helgoland – Monteure der Firma Tietgen Wilhelm Hamann (1. v. lks.), Karl-Heinz Kupke (2. v. lks.), Jupp Günther (3. v. lks.)  Haus Stadt Neumünster, Baujahr 1964/65
Fritz Tietgen erinnert sich:
„Diese neue Baustelle bot wohl das Interessanteste an menschlichen und fachlichen Erlebnissen. Für die ersten Monteure wurden in den Baracken auf dem Nordost-Gelände, meist im Keller, Notquartiere zur Verfügung gestellt. Überhaupt spielte sich anfangs alles Leben ohne Frauen in der Baracken-Siedlung in Nordost ab. In einer Baracke war das Krankenhaus untergebracht, in einer anderen im Keller die Bäckerei und sogar ein Zeitungsladen. Sonstige Waren und zollfreie Spirituosen und Tabakwaren gab es nur in der Nordost-Kantine zu kaufen. Dort nahm man auch die Mahlzeiten ein und verlebte den Feierabend. Die kleine Ausweichspelunke ‚Bullenkloster’ ist noch manchem in Erinnerung.“
Fritz Tietgen hatte sich der Herausforderung Helgoland mit großer Begeisterung gewidmet – und er verliebte sich bald in die Insel. Bevor die erste Baustelle eingerichtet wurde, gab es entsprechende Vorbereitungen. Viele Fragen tauchten auf: Wie ist es mit der Anreise? Wie läuft es mit dem Materialtransport? und vieles mehr. Fritz Tietgen machte sich auf Erkundungsfahrt zur Insel, konnte aber nur an einer Ausflugsfahrt mit dem Tonnenleger „Käpten Rudolf“ teilnehmen, der zur Insel fuhr und diese einmal umrundete, aber noch nicht anlegen durfte. Als die Firma Tietgen mit der Bautätigkeit begann, wohnte Fritz Tietgen bei seinen Inselbesuchen im Sommer in dem Zeltdorf auf der Düne. Dort waren stabile Zelte mit Holzboden aufgebaut, Vorgänger der späteren Ferienbungalows. Hier übernachtete er und schrieb seine Rechnungen. Wenn am Tage auf der Baustelle ein Massenaufmaß gemacht wurde, ging der Chef am Abend in sein Zelt auf der Düne und schrieb auf der Reiseschreibmaschine, die er mangels Tisch auf seinem Schoß platziert hatte, gleich die Rechnung, die er dann am nächsten Tag der Bauleitung präsentierte. Dieses waren die Anfangsjahre, später wohnte man im Haus „Atlantik“ am Südstrand bei Hermann und Ömi Schier.
Von den Seereisen mit der alten „Käpten Rudolf“ berichtet Fritz Tietgen in einer seiner Niederschriften:
 Werkstatt-Baracke in der Siemensterrasse mit Montageleiter Heinrich Jensen (Hein Giez)
„Die Seereisen nach Helgoland auf der alten „Rudolf“ waren immer ein besonderes Abenteuer. Im Winter bei bewegter See waren die Reisen ein Erlebnis. Zwischen Milchkannen, Baumaterial und anderer Fracht mussten sich die meist wenigen Passagiere Plätze suchen. Wem es draußen zu kalt war, der konnte sogar im kleinen Aufenthaltsraum mittschiffs unten ein paar Sitzplätze finden. Geheizt wurde dieser Raum durch einen Kanonenofen. Als Heizmaterial diente ölgetränkte Putzwolle. Manchmal glühte das Ofenrohr, manchmal blieb der Ofen kalt. Der Geruch in diesem Raum wurde bestimmt durch die verbrennende ölgetränkte Putzwolle und durch den Inhalt eines Eimers, um welchen sich oft Seekranke stritten. Tüten für solche Zwecke gab es damals noch nicht. Wenn dann der Eimer auf der Seite liegend durch den Raum rollte und sein Inhalt über den Fußboden floss, dann verbreitete sich ein Duft, welcher manchem heute noch in Erinnerung ist. Hatte man Helgoland erreicht, musste man bei nassem Wetter durch roten Matsch zum Nordost-Gelände wandern oder bei trockenem, windigem Wetter durch eine rote Staubwolke. Aber das hat niemanden erschüttert. Für die Helgoländer war es das Wiedererstehen ihrer Heimat und wir anderen waren sowieso Individualisten. Wir wollten mithelfen und miterleben, wie die so schwer gemarterte Insel wieder liebevoll von allen Zerstörungen des grausamen Krieges befreit wurde. Aber Unbequemlichkeiten und Schwierigkeiten hatten bald ein Ende. Der erste Montageleiter der Firma Tietgen, Heinrich Jensen (Hein Giez) musste mit einer primitiven Werkstattbude aus Wellblech auskommen. Diese erste Werkstatt stand anfangs gegenüber den ehemaligen Bürgerstuben (heute SansiBar), wo jetzt das Appartementhaus Siemensterrasse 130 steht.“
Diese Werkstatt musste geräumt werden, als sie von neuen Häusern eingezingelt war und man baute die Baracke in einem „Gewerbegebiet“ am Südhafen neu auf. Das Gebiet lag im Spritzwasserbereich der Westmole, so dass bei stürmischem Wetter die Brandung der Nordsee über die Baubaracken hinwegfegte. Material und Werkzeug wurden durch das Salzwasser nicht gerade begünstigt. Auf diesem Gebiet standen mehrere solcher „Buden“ mehr oder weniger wild, es gab keine festen Straßen oder sonstige Erschließungen, nur matschige Wege. Im Zuge der Bebauung der Insel sollte nun auch dieses Gebiet erschlossen und geordnet werden, bei gleichzeitigem Bau einer entsprechenden Mole. Den bisherigen Nutzern wurden von der Gemeinde andere Grundstücke angeboten und so ergab es sich, dass Fritz Tietgen 1966 am Binnenhafen auf einem Grundstück von 110 qm (5 m x 22 m) ein dreigeschossiges Gebäude, eine Art Reihenendhaus mit den Maßen 5 m x 13 m erstellen konnte. Im Erdgeschoss wurde die Werkstatt eingerichtet und im Keller befanden sich Lagerräume. Im Obergeschoss richtete Fritz Tietgen sich auf etwa 55 qm eine Wohnung ein, um während seiner Inselaufenthalte eine Bleibe zu haben. Schon 1960 hatte Fritz Tietgen auf dem Oberland in der von-Aschen-Straße ein Wohnhaus für seinen Betriebsleiter gebaut, mit Zimmern zur Unterbringung für die Monteure. In diesem Haus fand auch ein kleines Büro Platz und im Keller befand sich ein kleines Lager, um nicht für jeden Fitting immer zur Werkstatt ins Unterland in den Südhafen laufen zu müssen.
 Josef-Jupp-Günther 1920–1978
Joseph „Jupp“ Günther übernahm Ende der fünfziger Jahre die Leitung der Außenstelle Helgoland der Firma Fritz Tietgen, Neumünster von seinem Schwager Heinrich Jensen, „Hein Giez“. Der Klempner und Installateur Heinrich Jensen hatte sich als erfahrener und guter Facharbeiter bewährt und war daher zu Beginn als bauleitender Monteur der Baustelle auf Helgoland eingesetzt. Leider konnte „Hein Giez“ den Verführungen der Zollfreiheit auf dem „Fuselfelsen“ nicht wiederstehen, so dass eine Ablösung erforderlich wurde. Mit Jupp Günther hatte Fritz Tietgen die richtige Wahl getroffen. Jupp Günther war ebenfalls Klempner und Installateur und hatte nach seiner Flucht aus Thüringen in Neumünster eine neue Heimat und Arbeit bei der Firma Tietgen gefunden. Die Wochenend-Ehe von Frieda und Jupp Günther (eine Heimfahrt gab es nur alle 6 bis 8 Wochen) sollte nun durch den Bau des Wohnhauses in der von-Aschen-Straße 602 ein Ende haben. So zogen also Frieda und Jupp Günther mit Sohn Hans-Jürgen zur Insel. Die Zimmer, die ursprünglich für Monteure gedacht waren, wurden jedoch von Beginn an an Feriengäste vermietet. Bevor das Werkstattgebäude am Binnenhafen errichtet wurde, hatte Fritz Tietgen in dem Wohnhaus auf dem Oberland ein kleines Appartement, das später ebenfalls an Gäste vermietet wurde.
 Seewasser Pumpenanlage der Biologischen Anstalt Helgoland, Kunststoff-Rohrinstallation mit selbstgefertigten Formstücken und Verteilern
Obwohl der Stammbetrieb in Neumünster schon seit Ende der dreißiger Jahre auch Zentralheizungen baute, beschränkte Fritz Tietgen sich auf Helgoland auf die Ausführung von Sanitärinstallationen und Klempnerarbeiten. Neben den Bauvorhaben zu Beginn des Wiederaufbaus, überwiegend Wohn- und Gästehäuser, kamen bald andere bedeutende Zweckbauten zur Ausführung, an denen die Firma Tietgen beteiligt war. Beim Neubau der Biologischen Anstalt 1958 bildete die Firma Tietgen, Neumünster eine Arbeitsgemeinschaft mit der Firma A. Heinemann, Itzehoe. Bezüglich der Installationstechnik war dieser Auftrag eine besondere Herausforderung: Es sollten verschiedene Leitungssysteme für Meerwasser, Regenwasser und Gemeindewasser installiert werden. Der Werkstoff Kunststoff war neu in der Installationstechnik. Es gab zwar Rohre und Flansche, aber die Auswahl der Formstücke war sehr beschränkt. Wie wir es vom klassischen Heizungsbau mit der Schweißtechnik von Stahlrohren kennen, wurden hier großdimensionierte Verteiler, Pumpenanschlussgruppen, Rohrbögen und Abzweige in Dimensionen bis DN 150 von Hand angefertigt. Die Verbindungen wurden mit Heißluft und Draht mehrlagig verschweißt. Diese Technik war neu für die Firma Tietgen und es wurde viel Pionierarbeit geleistet.
 Meerwasser Schwimmbad, Sprungturm, Treppe und Geländer aus seewasserbeständigen Kupferrohr mit PVC-Überzug, Sprossen geriffelt – eigene Anfertigung
Beim Bau des Meerwasserschwimmbades 1959 kamen Fritz Tietgen die Erfahrungen mit der Installation bei der Biologischen Anstalt zugute. Doch auch hier gab es weitere Herausforderungen. So wurde die gesamte Schwimmbadtechnik einschließlich Umwälz- und Filteranlagen erstellt. Im Kurmittelbereich hatte man sich mit Spezialeinrichtungen wie Unterwasserbehandlungen, Kneipp-Anlagen, Inhalationsgeräten oder Anlagen für Schlickbäder zu beschäftigen. Eine weitere Besonderheit war die Anfertigung von Einstiegtreppen, Geländern oder Standduschen. Hierfür wurde kunststoffisoliertes Kupferrohr (WiCu-Rohr) verwendet. Die elfenbeinfarbene Kunststoffisolierung wurde an den Nahtstellen mit rotem Kunststoff-Schweißdraht verschweißt. Für die Stufen der Einstiegstreppen und der Aufstiegleiter zum 3 m-Sprungturm wurde WiCu-Rohr 50 mm verarbeitet. Die außen glatte, aber innen perforierte Kunststoffisolierung wurde aufgeschnitten, mit der Perforation nach außen um das Rohr gelegt und die Naht wieder längs verschweißt. So erhielt man rutschsichere Trittstufen.
Weitere bedeutende Bauten waren das Krankenhaus im Mittelland, das Kurhaus, die Schule, das Postgebäude und das Rathaus. Bei letzterem wurde neben der Sanitärinstallation auch das Kupferdach in Falztechnik erstellt.
Durch die ständige Präsenz mit Personal, das inzwischen auf der Insel sesshaft war, etablierte sich die Firma Tietgen auf Helgoland immer mehr. Fritz Tietgen war sehr daran gelegen, dass sie als einheimische Helgoländer Firma anerkannt wurde. Durch die Betriebsschließungen der Helgoländer Kollegen Franz Emrich und Hans Harlichs war die Firma Tietgen zeitweise der einzige Installationsbetrieb auf der Insel.
Mit der Bebauung des Oberlandes hatte der Wiederaufbau zunächst seinen Abschluss gefunden. Die Tätigkeit der Firma beschränkte sich auf Reparaturen, erste Um- und Ausbauten, vereinzelt noch einmal einen Neubau. Montagepersonal aus Neumünster wurde schon lange nicht mehr benötigt. Aber schon Ende der sechziger Jahre begannen erste Modernisierungen der Fremden- und Gästehäuser. Das Zimmerangebot genügte bald nicht mehr den Ansprüchen. Die Gästezimmer waren in einfachster Art errichtet worden, nach den Plänen für den Wiederaufbau, die in dem am Boden liegenden kriegszerstörten Deutschland entstanden waren: ein WC für mehrere Zimmer auf dem Flur und im besten Fall ein Gemeinschaftsbad. Zimmer mit fließend Warm- und Kaltwasser bedeutete ein Waschbecken im Zimmer. Die Nachfrage nach Zimmern mit Dusche und WC bewirkte, dass an den Gästehäusern teils umfangreiche Modernisierungen vorgenommen wurden, wobei die Sanitärinstallation immer ein großes Gewicht hatte.
 Richtfest am Erweiterungsbau des Betriebsgebäudes. Die Beflaggung ist typisch für Helgoland. Auch ein Richtkranz ist üblich - dieser befand sich auf dem Frachtschiff, dass zum Richttermin die Insel nicht pünktlich erreichte (Maschinenschaden?, Sturm?)
Wenn Fritz Tietgen sich auf der Insel bisher nicht mit dem Bau von Heizungsanlagen beschäftigt hatte, so änderte sich das etwa 1970. Die Heizungsbaufirma Amandus Geerken & Sohn aus Cuxhaven, wie die Firma Tietgen von Beginn an am Wiederaufbau der Insel beteiligt und ähnlich etabliert, hatte keinen Unternehmensnachfolger, so dass sie ihre Tätigkeit auf der Insel einstellte. Die Nachfrage der Helgoländer Kundschaft nach Heizungsarbeiten nahm zu und dem wollte die Firma Tietgen sich nun nicht mehr entziehen. Fritz Tietgen, der sich selbst wenig mit Heizungsbau beschäftigt hatte und immer sagte: „Davon verstehe ich nix“, kam zugute, dass sein Sohn Johannes im Februar 1972 seine Ingenieurausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte und sich nun auf Helgoland um den Heizungsbau kümmern konnte. Von nun an führte die Firma Tietgen auf Helgoland auch Heizungsarbeiten aus.
Infolge dieser Entwicklung wurde auf dem Nachbargrundstück am Binnenhafen ein Erweiterungsbau geplant. Das Grundstück war Bundeseigentum und konnte für 49 Jahre im Erbbaurecht erworben werden. Es entstand ein nahezu gleiches dreigeschossiges Nachbargebäude. Das Obergeschoss durfte Fritz Tietgen nach einem hartnäckigem Kampf mit der Baubehörde etwa einen Meter höher bauen, weil die Endgebäude am anderen Ende dieser Reihenbebauung ebenfalls höher sind. Der Bau wurde so genehmigt, obwohl es im Bebauungsplan nicht vorgesehen ist, denn die lichte Raumhöhe beträgt im Obergeschoss des ersten Bauabschnitts an der Außenwand (Traufseite) nur ca. 1,70 m.
 Fritz Tietgen gratuliert seinem treuen und vertrauensvollen Mitarbeiten Jupp Günther zum 25-jährigen Betriebsjubiläum im Oktober 1972 – Mitte: Ehefrau Frieda Günther
Johannes Tietgen, der seit 1973 Betriebsinhaber und somit nun auch Chef auf Helgoland ist, konnte 1976 eine eigene Wohnung im Obergeschoss des Neubaus beziehen. Im Erdgeschoss entstand neben einer weiteren Werkstattfläche eine kleine Wohnung für Hans-Jürgen Günther, der als Installateurgeselle unter der Leitung seines Vaters Jupp Günther schon einige Jahre auf der Insel tätig war. Jupp Günther verstarb im Herbst 1978 an Lungenkrebs. Hans-Jürgen hatte sich schon während der Krankheit seines Vaters um den Betrieb gekümmert, nun wurde er offiziell Betriebsleiter.
Nach der Übernahme der Gesamtfirma durch seinen Sohn Johannes hatte Fritz Tietgen sich zunächst weiter maßgeblich um Helgoland gekümmert. Jetzt zog er sich auch auf der Insel langsam aus dem betrieblichen Geschehen zurück. Johannes Tietgen und Hans-Jürgen Günther hatten nun gemeinsam die Verantwortung für die Firma Tietgen Haustechnik, Helgoland in der Hand. Die Voraussetzungen für eine gute partnerschaftliche Zusammenarbeit waren gegeben – und sie wurden genutzt. Hans-Jürgen Günther ist inzwischen seit mehr als 25 Jahren Betriebsleiter und die Firma hat einen ausgezeichneten Ruf, der in hohem Maße mit der Familie Günther und nicht zuletzt mit Hans-Jürgen Günther in Verbindung gebracht wird.
Im Zuge der Umstrukturierung der Gesamtfirma zum 1. Januar 1979 wurde auch die Filiale Helgoland der Firma Tietgen, Neumünster selbstständig. Die Firmierung lautet seitdem:
Tietgen-Haustechnik GmbH
Helgoland
 Geschäftsführender Gesellschafter Hans-Jürgen Günther, Betriebsleiter seit 1978
1982 wurde Hans-Jürgen Günther zum weiteren Geschäftsführer neben Johannes Tietgen bestellt. Er übernahm auch Gesellschafteranteile und wurde somit Mitinhaber.
Das Unternehmen festigt sich auf der Insel mehr und mehr. Obwohl zwischenzeitlich wieder zwei weitere Installations- bzw. Heizungsbaubetriebe auf Helgoland ansässig sind und auch immer wieder Firmen vom Festland auf der Insel arbeiten, ist die Firma Tietgen, Helgoland der wichtigste Anbieter in Sachen Haustechnik. In den letzten Jahren waren im Schnitt fünf Facharbeiter beschäftigt. Mit Hans-Jürgen Günther als Geschäftsführer stellen sie eine tatkräftige und fachkundige Truppe dar, die ihr Handwerk versteht. Dem Unternehmen kommt seine fünfzigjährige Erfahrung auf Helgoland zugute und es kann wie kaum ein anderer die besonderen Anforderungen erfüllen, die es durch die besondere Insellage ohne Zweifel gibt. Und sollte die Kapazität einmal nicht reichen, so gibt es durch die Unterstützung der „großen Mutter“ aus Neumünster mit technischem Know-how oder durch die Entsendung von Fachpersonal keine Aufgabe, die für die Tietgen-Crew auf der Insel nicht lösbar wäre.
Die im Jahre 1976 im Betriebsgebäude am Binnenhafen entstandene Wohnung von Hans-Jürgen Günther mit 20 qm im Erdgeschoss und 20 qm im Untergeschoss wurde im Laufe der Jahre zu Lasten der Betriebsfläche vergrößert.
1989 erwarben Dagmar und Hans-Jürgen Günther das Wohngebäude in der von-Aschen-Straße im Oberland, das immer noch von Mutter Frieda Günther bewirtschaftet wurde. Sie gestalteten das Haus zu einem Ferien-Appartement-Haus um.
 Betriebsgebäude Am Binnenhafen
Das Büro der Firma Tietgen im Oberland musste daher weichen und im Betriebsgebäude am Binnenhafen wurde ein Büroraum abgetrennt, wodurch die Werkstatt- und Lagerflächen weiter reduziert wurden. Dem gewerblichen Bereich stehen seitdem ca. 26 qm im Erdgeschoss und ca. 85 qm im Untergeschoss zur Verfügung. Man kommt zurecht, man lebt und arbeitet damit. Erst im Jahre 2003, als man die Möglichkeit erhielt, ein anderes Gewerbegrundstück zu erstehen, machte man sich klar, wie klein und beengt die Räumlichkeiten am Binnenhafen sind.
Das neue, etwa 400 qm große Grundstück (Teilfläche von einer Grundstücksgemeinschaft) konnte inzwischen erworben werden. Es ist eines der letzten freien Gewerbegrundstücke, die absehbar auf der Insel zur Verfügung stehen. Geplant ist ein Gebäude, in dem eine Teilfläche von etwa 320 qm zweigeschossig mit Erd- und Obergeschoss zur Verfügung steht, womit die beengten Verhältnisse bei der Firma Tietgen endlich ein Ende haben könnten. Das neue Grundstück liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum SAR-Gelände und zu der Inselbäckerei Meier – dort, wo schon in den fünfziger Jahren die Werkstattbaracke von Fritz Tietgen stand.
 Mitarbeiter Helgoland: von links nach rechts:
Thomas Stapelfeldt (48), Heizungsmonteur, i. d. Firma seit 1997, Stefan Borowski (36), Installateur, i. d. Firma seit 2000, Norbert Noppeney (30), Installateur, i. d. Firma seit 2002, Hans-J. Günther (54), Geschäftsführer, i. d. Firma seit 1965, Ralf Claasen (42), Installateur, i. d. Firma seit 1979, Gerhard Hesse (52), Installateur, i. d. Firma seit 1990
So schließt sich der Kreis der bis jetzt fünfzigjährigen Tätigkeit der Firma Tietgen auf der Hochseeinsel Helgoland. Auch an diesem Standort stehen die Zeichen für die Zukunft günstig. Außenstehende stellen uns aber immer wieder Fragen:
Helgoland? Wie das? Wie seid ihr dort hingekommen?
Dann erzählen wir „Helgoländer“ gerne unsere Geschichte.
Wie man denn dort fünf Handwerksgesellen beschäftigen kann?
Wie viele Einwohner hat Helgoland eigentlich?
1.500.
1.500? Ja, aber …???
Und dann berichten wir weiter, dass im Sommer an Spitzentagen bis zu 8.000 Tagesgäste die Insel besuchen. Das Kontingent an Fremdenbetten der Hotels und Pensionen beträgt noch einmal 2.000 Betten, so dass sich in der Sommersaison, wenn auf der Insel keine „Pritsche“ mehr zu haben ist, um die 10.000 Menschen auf dem nur 0,9 qkm großen Eiland tummeln. (Wem es zu eng wird, der flüchtet auf die Badedüne, die der Insel vorgelagert ist.) Für diesen Besucheransturm ist es unter anderem erforderlich, eine moderne Infrastruktur in Sachen Haustechnik vorzuhalten. Darum kümmert sich die Tietgen-Haustechnik GmbH, Helgoland. Durch die ständige Präsenz der Firma mit einer leistungsfähigen Mannschaft vor Ort ist gewährleistet, dass auch bei Ausfall von betriebstechnisch notwendigen Anlagen ein schneller Reparatureinsatz erfolgt.
Weitere Besonderheiten dieser Insel-Kommune, der eine schnelle Anbindung an das Festland verwehrt ist, sind ein eigenes Krankenhauses (welche Gemeinde mit 1.500 Einwohnern hat das sonst?), zwei ansehnliche Feuerwachen (Unter- und Oberland), die Biologische Forschungsanstalt Helgoland mit 70 Mitarbeitern, das Meerwasser- Schwimmbad mit 50 m-Becken, Kuranlagen, ein eigenes Kraftwerk, Hafenanlagen mit Betriebs- und Verwaltungseinrichtungen, SAR-Außenstelle mit Hubschrauberhangar, Verkehrslandeplatz auf der Düne und viele Sondereinrichtungen mehr.
 Entwurf des geplanten Betriebsgebäudes im Gewerbegebiet am Südhafen für sieben Teileigentümer – Baubeginn 2004 / 2005, vorn links Fa. Tietgen
So ist plausibel, dass es auf dieser kleinen Insel ein weites und ausreichendes Tätigkeitsfeld für eine Installationsfirma gibt. In Hinblick auf den wirtschaftlich bedeutenden Fremdenverkehr wird Helgoland auch in Zukunft gut dastehen, konnte doch im Jahr 2003 ein Zuwachs von 13 % bei den Gästezahlen verzeichnet werden. So steht auch die Firma Tietgen weiterhin auf Helgoland bereit, als zuverlässiger Partner für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben.
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